Seit mehr als 20 Jahren bin ich als Beraterin, Business-Trainerin und wissenschaftliche Dozentin in der Weiterbildungsbranche. Mandate als Coach oder Mediatorin kommen hinzu. Eindeutig hat sich der Markt in meinen Augen verändert: In vielen größeren Unternehmen (die KMU-Landschaft ausgenommen) ist ein Standard in der Vermittlung der berühmten “soft skills” gewachsen, der noch nicht befriedigend ist, aber doch eine andere Grundlage darstellt als vor Jahren, als Seminare im Stil von “Kommunikation I”, “Kommunikation II”, “Grundlagen der Rhetorik”, “Basics der Verhandlungskunst” noch Neuland darstellten.
Heute wird dieser Typ Fortbildung – der mittlerweile recht unoriginell wirkt – als Einzelveranstaltung nach meiner Erfahrung seltener gebucht (höchstens im Rahmen größerer Grundlagen-Seminarreihen). Kunden haben spezifischere Erwartungen: “Verhandeln mit außereuropäischen Partnern”, “Konfliktmanagement im Vertrieb”, “Mobbing-Prävention auf erster Führungsebene”. Über solche Beispieltitel wird deutlich: Oft wollen Kunden mit einem Schulungsthema die Lösung eines aktuellen Problems verbinden, und dieses Problem besteht nicht in einem Know-how-Defizit, sondern typischerweise einer zwischenmenschlichen Konfliktlage oder unternehmensstrategischen Herausforderung. Das ist kausal direkt verknüpft mit dem wachsenden Spannungslevel in vielen heutigen Unternehmen: Bedingt durch die Wirtschaftslage und den permanent zunehmenden Veränderungsdruck in Technologie und Management kommt es zu mehr Stress, Aggression, Konkurrenz, Unzufriedenheit und damit zu mehr Konflikten und Verteilungskämpfen.
Die gute Nachricht dabei ist: Kunden starten oft mit einem höheren Wissensstand als früher, und sie formulieren (scheinbar) klare Erwartungen. Die schlechte: Es droht eine intransparente Vermischung von Training und Beratung, und der jeweilige Dozent bzw. Consultant ist in Gefahr, mit dem Ja zu einem bestimmten Seminar oder Workshop “verdeckte Aufträge” anzunehmen. Gegen die Anbindung von Trainingsinhalten an die Alltagsrealität des Unternehmens ist überhaupt nichts zu sagen; gegen unoffen gehandhabte Aufträge der erwähnten verdeckten Art hingegen schon. Standing ist beim Weiterbildungsanbieter gefragt, zunächst eine klare Auftragsanalyse zu betreiben und wenn nötig offen und begründet Widerstand zu zeigen, wenn ein Kunde seine Konflikte über eine Weiterbildungsserie lösen will. Eine solche kann vieles unterstützen; es stehen aber andere Wege zur Konfliktlösung als eine Bildungsveranstaltung zur Verfügung: diverse Instrumente aus der Organisationsberatung, speziell der Konfliktmoderation, der Wirtschaftsmediation oder des Executive Coachings. Das setzt allerdings voraus, dass das Unternehmen seinen Konfliktherden ins Gesicht sehen will; die verbreitete “Wir haben keine Probleme”-Haltung führt da nicht weiter. Hier den Mut zu haben, als Berater und Trainer Unbequemes und Unpopuläres auszusprechen, ist in meinen Augen nötiger denn je.
Antonia Anderland, Inhaberin von Anderland consulting + coaching, einem systemisch orientierten Trainings- und Beratungsunternehmen am Bodensee.

Nicole Bußmann ist Chefredakteurin der managerSeminare Verlags GmbH, Bonn. Die studierte Publizistin arbeitet seit 15 Jahren in und mit dem Weiterbildungsmarkt, in ihrer journalistischen Funktion beobachtet sie die Branche, die Formate, die Akteure. 
[...] Arno Dirlewanger findet, dass einiges gleich geblieben ist: etwa sein Stil, er visualisiert immer noch mit Flipchart. Und sein Standardseminar: Seit 17 Jahren bucht ein Unternehmen immer wieder dasselbe Seminar. Für managerSeminare-Mitbegründer Hardy Wagner gehört sein eigenes Wirken – v.a. Erfindung des STUFEN-Konzepts – zu den wichtigsten Dingen der vergangenen 20 Jahre. Zudem die Umsetzung des Bologna-Prozesses und – sieh da – die Konzeption der Petersberger Trainertage. Marco Ripanti sieht keine nennenswerten Veränderungen, allenfalls negative, die sich in “Wir sind die Besten”- und “Ich bin DER Experte für…”-Slogans äußern. Der Web2.0-Experte wünscht sich ein Hinterfragen dieses Arbeitsverständnisses. Prof. Dr. Lothar Seiwert hat eine Metamorphose hinter sich: vom Trainer zum Keynote-Speaker. Er begrüßt den Tod des Overhead-Projektors und die Entwicklung des Internets. Bernhard Kuntz fühlt sich dem Magazin managerSeminare auch aus nostalgischen Gründen verbunden. Als das Magazin gegründet wurde, war er Redakteur bei einem Mitbewerber. Thomas Stasch ist “Lern-Freak” seit er denken kann. Besonders angetan ist er vom Fernstudium. Seinen beruflichen Erfolg führt er auf seine Weiterbildungen zurück. Sie war in der HR-Branche tätig, ohne es zu wissen: Seit 20 Jahren gibt Veronika Kaiser Computerschulungen. Logisch, dass sie die Weiterentwicklung des Internets als die bedeutendste Entwicklung in der Personalentwicklung betrachtet. Martin Hendrik Kurz hat sich in den vergangenen 20 Jahren vom lang- zum kurzhaarigen Dom- statt Demobesucher entwickelt. Unter dem Titel “Ich und das Distance-Learning, wir haben uns etabliert” erklärt er, warum Bertelsmann einst einen Fehler gemacht hat. Dass Seminare im Stil von “Kommunikation I” und “Kommunikation II” abgenommen haben, freut Antonia Anderland. Die Konfliktexpertin sieht stattdessen allerdings auch die Tendenz, dass Unternehmen Konflikte über Weiterbildung zu lösen versuchen. [...]
[...] http://www.wirsindweiterbildung.de/konflikte-nehmen-zu/2010/10 … der noch nicht befriedigend ist, aber doch eine andere Grundlage darstellt als vor Jahren, als Seminare im Stil von “Kommunikation I”, “Kommunikation II”, “Grundlagen der Rhetorik ”, “Basics der Verhandlungskunst” noch Neuland darstellten. … Die schlechte: Es droht eine intransparente Vermischung von Training und Beratung, und der jeweilige Dozent bzw. Consultant ist in Gefahr, mit dem Ja zu einem bestimmten Seminar oder Workshop “verdeckte Aufträge” anzunehmen . … [...]
[...] http://www.wirsindweiterbildung.de/konflikte-nehmen-zu/2010/10 Kunden haben spezifischere Erwartungen: “Verhandeln mit außereuropäischen Partnern”, “ Konfliktmanagement im Vertrieb”, “Mobbing-Prävention auf erster Führungsebene”. Über solche Beispieltitel wird deutlich: Oft wollen Kunden mit … Dass Seminare im Stil von “Kommunikation I” und “Kommunikation II” abgenommen haben, freut Antonia Anderland. Die Konfliktexpertin sieht stattdessen allerdings auch die Tendenz, dass Unternehmen Konflikte über Weiterbildung zu lösen versuchen. … [...]
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